09-01-2009: Madoff - Bericht über Deminor in der "FAZ"-090109

Betrug an der Wall Street
Madoff wollte Millionen-Schecks versenden

 

Er hatte bereits kalte Füße: Kurz vor seiner Festnahme plante Börsenbetrüger Bernard Madoff, Schecks über 173 Mio. $ an Freunde zu verschicken. Sein Schneeballsystem machte Schule - die US-Behörden stoßen auf immer mehr Nachahmungstäter.

 

Bei der Ergreifung des Investors hätten die Ermittler in dessen Schreibtisch Schecks über insgesamt 173 Mio. $ gefunden. Anscheinend wollte der 70-Jährige sie kurz vor Bekanntwerden des Skandals an Freunde und Familienmitglieder verschicken, teilten Anklagevertreter am Donnerstag mit. Kürzlich hatte der unter Hausarrest stehende Bernard Madoff Juwelen und andere Wertgegenstände an Dritte verschickt.

"Das zeigt den anhaltenden Versuch, Nahestehenden auf Kosten der Opfer Vorteile zu verschaffen", so die Ankläger, die Untersuchungshaft für Madoff fordern. Der Richter werde darüber voraussichtlich am Freitag oder am Montag entscheiden, sagte ein Sprecher.

 

Bereits 2007 hatte Madoff nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 160 Mio. $ an eine Tochterfirma in Großbritannien verschoben. Wie aus Firmenpapieren hervorgeht, ließ der Finanzjongleur seiner Firma Madoff Securities International durch die Zuteilung neuer Aktien in zwei Schritten insgesamt knapp 50 Mio. Pfund zukommen. Außerdem habe er im Rahmen eines Kreditgeschäftes Aktienpakete erhalten. Weitere Schneeballsysteme gefunden Madoff wird vorgeworfen, Investoren mit einem Schneeballsystem um bis zu 50 Mrd. $ betrogen zu haben. Zu den potenziellen Opfern zählen Banken und Fonds, aber auch Universitäten und Wohltätigkeitsorganisationen.

 

Zahlreiche Anlage-Opfer wollen Fonds und Banken wegen mangelnden Schutzes und fehlerhafter Information über ihr Engagement bei Madoff verklagen. Am Donnerstag kündigte die Investorengruppe Deminor Klagen gegen die Großbanken UBS, HSBC und andere Institute an. "Die Menschen vergegenwärtigen sich nun die Verantwortlichkeit der Depotbanken, die nicht ausreichend geprüft haben, was sie in ihren Beständen haben", sagte Deminor-Leiter Fabrice Remon.

 

Ermittler entdecken derweil immer weitere, kleinere Schneeballsysteme: Ein Investment-Manager im Raum Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania soll nach Angaben der US-Börsenaufsicht SEC rund 80 Anleger seit 1995 mit hohen Renditeversprechen um 50 Mio. $ erleichtert haben. Kurz vor dem Jahreswechsel hatten die US-Behörden bereits ein anderes illegales System im Volumen von 23 Mio. $ aufgedeckt. Von diesem Betrug waren Tausende kleinere Anleger vor allem haitianischer Abstammung betroffen.

 

FTD.de, 10:46 Uhr

© 2009 Financial Times Deutschland


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